Fragen & Antworten

Endoprothetik/Arthrose

Patienten, Angehörige und Interessierte stellen mir häufig ähnliche Fragen. Einige Antworten darauf gebe ich Ihnen auf dieser Seite. Bei individuellen medizinischen Problemen sprechen Sie mich bitte direkt an.

Arthrose – was ist das eigentlich?

Unter Arthrose versteht man generell den Verschleiß eines Gelenks durch Abnutzung.

Das kann verschiedene Ursachen haben, wie beispielsweise eine angeborene Fehlbildung, eine Fehlheilung oder Bandinstabilität des Gelenks durch frühere Unfälle oder eine Überlastung durch andauernde einseitige sportliche Belastung oder überhöhtes Gewicht. Auch im Gefolge einer rheumatischen Erkrankung kann Arthrose auftreten. Oft bleibt aber die konkrete Ursache im Dunkeln oder es sind mehrere Faktoren am Entstehen des verschlissenen Gelenks beteiligt.

Im Verlaufe der Arthrose werden die Knorpelüberzüge des Gelenks zunehmend abgeschliffen, am Kniegelenk werden der Innen- und Außenmeniskus aufgerieben, das Gelenk verliert zunehmend seine Passform, die Bänder werden (relativ) zu locker. Es bilden sich knöcherne Anbauten (sogenannte Osteophyten) und Ablagerungen. Die Gelenkinnenhaut (Synovia) entzündet sich und bildet vermehrt Gelenkwasser.

Unabhängig von der Ursache sind die Symptome der Arthrose recht gleichförmig:

  • Schmerzen, die abhängig von der Belastung, aber auch unabhängig davon sehr wechselhaft sein können. Typischerweise gibt es immer einmal wieder Intervalle mit geringeren Beschwerden, aber auch Zeiten, in denen massive Beschwerden auch in Ruhe und sogar in der Nacht bestehen.
  • Schwellung und Ergussbildung durch vermehrte Bildung von Gelenkwasser. Das sieht man in erster Linie natürlich an Gelenken, die nicht von einer dicken Muskelschicht bedeckt sind, also zum Beispiel am Kniegelenk.
  • Die Beweglichkeit wird schlechter.

Wann ist ein künstlicher Gelenkersatz notwendig?

Der Ersatz eines Gelenks durch ein künstliches Gelenk (Endoprothese) ist stets eine Möglichkeit, nie eine unbedingte Notwendigkeit.

Letztlich erfolgt der Eingriff im Dienste der Wiederherstellung der Lebensqualität – um eine schmerzfreie Beweglichkeit und körperliche Aktivität einschließlich angepasster sportlicher Betätigung zu ermöglichen.

Der richtige Zeitpunkt zum Ersatz des Gelenkes ist also dann gekommen, wenn die Lebensqualität nachhaltig beeinträchtigt ist und körperliche Aktivitäten wegen Schmerzen eingeschränkt werden müssen. Daneben spielen bei der Entscheidungsfindung natürlich das Alter des Patienten und das Röntgenbild eine Rolle, aber entscheidend sind der Patient, seine Beeinträchtigung und seine Ansprüche an die Lebensqualität. Im ärztlichen Beratungsgespräch finden all diese Faktoren Berücksichtigung, die Entscheidung für oder gegen den Eingriff muss am Ende aber der Patient selbst treffen.

Wie erfolgen Operationsvorbereitung und Narkose?

Die Implantation einer Hüft- oder Knieprothese erfordert die übliche Vorbereitung einer mittleren Operation am Bewegungsapparat. Bei wesentlichen Vorerkrankungen führt der Hausarzt eventuell noch notwendige Untersuchungen und Maßnahmen durch. Blutverdünnende Medikamente (Marcumar, ASS, Plavix und andere) müssen abgesetzt werden, ebenso bestimmte Zuckermedikamente (Metformin-haltige Präparate). Alle anderen Medikamente sollen weiter eingenommen werden. Am Tag vor der Operation erfolgen eine ausführliche Untersuchung und ein Gespräch mit dem Narkosearzt.

Die Operation selbst kann in Vollnarkose oder in einer so genannten Spinalanästhesie erfolgen; hierbei werden nur Becken und Beine durch Einspritzen eines Medikamentes an der Wirbelsäule betäubt. Der Narkosearzt berät Sie über das für Sie bestgeeignete Verfahren. Durch entsprechende Schmerzmedikamente stellen wir sicher, dass Sie nach der Operation keine wesentlichen Wundschmerzen verspüren.

Bei künstlichen Kniegelenken erfolgt in der Regel die Anlage eines Schmerzkatheters in der Leiste, der postoperativ eine schmerzfreie Beweglichkeit des Gelenkes bereis in den ersten Tagen sicherstellt.
Durch die Verwendung eines sogenannten Cell-Savers zur intraoperativen Blutrückgewinnung ist eine Eigenblutspende nicht mehr erforderlich.

Das künstliche Hüftgelenk

Bei der Arthrose des Hüftgelenkes muss ein Ersatz sowohl am Hüftkopf als auch an der Pfanne erfolgen. Hierfür stehen unterschiedliche Methoden zur Verfügung, von denen Ihnen der Arzt das für Sie geeignete Verfahren vorschlagen wird. Die nachfolgende Übersicht stellt lediglich eine Orientierung dar.

Wie funktioniert eine Hüftgelenks-Totalendoprothese (HTP oder H-TEP)?

Der deformierte Hüftkopf mit den verschlissenen Knorpelüberzügen wird entfernt, der Oberschenkelhals hierzu am Übergang zum Oberschenkelschaft abgesägt. Der neue künstliche Hüftkopf sitzt auf einem Metallkörper (Prothesenschaft), der in das Rohr des Oberschenkelknochens eingepasst wird. In der Regel und bei normaler Knochenqualität erfolgt dies heute ohne die Verwendung von Knochenzement. Auf der Seite der Hüftpfanne wird eine Metallschale in den entsprechend aufgefrästen Beckenknochen eingepasst, auch dies in der Regel ohne Zement.

Die Gleitfläche zwischen dem Kopf und der Pfanne besteht aus einem Kopf aus hochfester Keramik und einem Pfanneeinsatz aus Keramik oder Polyäthylen (ein spezieller Kunststoff mit einem sehr niedrigen Reibungswiderstand).

Der Vorteil der Totalendoprothese besteht darin, dass sogar bei höhergradigen Verformungen und Veränderungen der ursprünglichen Geometrie eine Rekonstruktion des Gelenks möglich ist. Auch Patienten mit einer Totalendoprothese erreichen in der Regel rasch (aber natürlich abhängig von Alter, sonstigen Gebrechen und abhängig von der präoperativen Einschränkung) wieder eine gute Mobilität und auch eine gute Beweglichkeit des Gelenks selbst.

Im Hinblick auf die Haltbarkeit moderner zementfreier Totalendoprothesen gibt es Erfahrungen über inzwischen mehr als 20 Jahre, wobei bei einigen Prothesenmodellen (wie z.B. der von uns verwendeten Bicontact-Prothese der Firma Aesculap aus Tuttlingen) eine funktionierende Kunsthüfte bei 97% der Patienten nach 20 Jahren bewiesen werden konnte.

Die Totalendoprothese wird deshalb bei allen Patienten empfohlen, die ein bestimmtes Alter überschritten haben oder bei denen eine Kappenprothese aus geometrischen Gründen nicht in Betracht kommt.

Für wen eignet sich eine Kurzschaftprothese?

Bei diesem Gelenkersatz bleibt der äußere Anteil des Schenkelhalses erhalten und ein kurzer Metallschaft stützt sich am Schenkelhals und am obersten Anteil des Oberschenkels ab. Auf diesem Metallschaft sitzt wie bei der konventionellen Totalendoprothese ein neuer künstlicher Hüftkopf aus Keramik.

Auf der Seite der Hüftpfanne wird wie bei der konventionellen Prothese eine Metallschale in den entsprechend aufgefrästen Beckenknochen eingepasst. Dabei gleitet ein Kopf aus hochfester Keramik auf dem Pfanneneinsatz aus demselben Material. Der Vorteil der Kurzschaftprothese besteht im Erhalt von mehr Knochen am Oberschenkel, was insbesondere bei jüngeren Patienten von Bedeutung ist, die sich möglicherweise im Laufe ihres Lebens sich noch einer Wechseloperation werden unterziehen müssen. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, mit einem modularen Adapter zwischen Prothesenkörper und Kopf die individuelle Geometrie und damit die optimale Funktion des Gelenkes wiederherzustellen. Zudem lassen sich Kurzschaftprothesen besonders günstig zusammen mit minimiert invasiven Zugängen verwenden.

Die Kurzschaftprothese kann allerdings nur bei jüngeren Patienten (unter 65 Jahren) mit normaler Knochenqualität zum Einsatz kommen, hinzu kommen weitere Limitierungen im Hinblick auf bestehende anatomische Verhältnisse und Patientenfaktoren wie etwa Übergewicht.

Mit der Kurzschaftprothese gibt es jedoch, im Gegensatz zur bewährten Standardprothese, erst kurz- und mittelfristige, allerdings vielversprechende Erfahrungen. Wir verwenden an unserer Klinik die Kurzschaftprothese METHA der Firma Aesculap, für die es die besten mittelfristigen Ergebnisse gibt.

Die Qual der Wahl?

Wir schätzen den gut informierten Patienten, stellen allerdings auch immer wieder fest, dass die zahlreichen, zum Teil widersprüchlichen und oft auch von Marketinginteressen geleiteten Informationen aus den verschiedensten Quellen den Entscheidungsprozess nicht immer einfacher machen. Die Möglichkeit der Wahl einer Klinik und eines Implantates wird da nicht selten zur Qual.

In unserer Endoprothesensprechstunde beraten wir Sie individuell und berücksichtigen dabei die anatomischen Gegebenheiten und die objektiven wissenschaftlichen Daten ebenso wie Ihre Bedürfnisse und Erwartungen. Aus den mehr als Tausend am Markt erhältlichen Hüftimplantaten haben wir eine über Jahrzehnte jeweils sehr gut nachuntersuchte Standardprothese zur zementfreien und zementierten Verankerung sowie die Kurzschaftprothese ausgesucht, für die es die besten mittelfristige Erfahrungen gibt. Den Oberflächenersatz (sogenannte Kappenprothese), den wir an unserer Klinik für einige Zeit ebenfalls angeboten haben, haben wir wegen der zahlreichen, in jüngster Zeit zunehmend publizierten Probleme (Metallabrieb, Osteolysen, Pseudotumore) verlassen.

Für Gleitpaarung (welches Material bewegt sich auf welchem Material?) haben wir uns für jüngere Patienten für die Keramik-Keramik-Paarung entschieden. Hochfeste Industriekeramik – im Übrigen kommen weltweit bei allen namhaften Endoprothesenherstellern ausschließlich Keramiken eines einzigen Herstellers (Ceramtec) aus Baden-Württemberg zum Einsatz – ist absolut allergiefrei, hochabriebfest und hat eine extrem geringe Reibung. Ansonsten verwenden wir Keramikköpfe und eine Pfannenkomponente aus Polyäthylen. Auch hier sind in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte im Hinblick auf Haltbarkeit und Abriebfestigkeit gemacht worden. Metall-Metall-Gleitpaarungen werden wegen der bekannten Probleme (Abrieb, Allergie, Ionenfreisetzung) von uns nicht verwendet.

Letztlich gilt: In erster Linie kommt es für Sie darauf an, eine Klinik und einen Operateur Ihres Vertrauens zu finden. Durch laufende Beschäftigung mit den aktuellen wissenschaftlichen Veröffentlichungen und intensive eigene wissenschaftliche Arbeit und Kongressbeiträge können wir sicherstellen, dass wir unter den vielen Implantaten und Implantatkombinationen eine auf Ihre individuelle Situation zugeschnittene Auswahl treffen. Gerne diskutieren wir mit Ihnen im Rahmen der Sprechstunde die verschiedenen Optionen mit ihren Vor- und Nachteilen.

So braucht aus der Wahlmöglichkeit keine Qual zu werden.

Minimal invasiv ist doch besser?

Nach wie vor ist für den langfristigen Erfolg der Hüftendoprothetik nicht die Länge des Hautschnittes ausschlaggebend, sondern die Exaktheit, mit der die Implantate platziert werden. Das bleibt bei jedem Endoprotheseneingriff die allererste Priorität und es dürfen keine “Kunststücke” gemacht werden, bei denen durch mangelnden Überblick und mangelnde chirurgische Darstellung Kompromisse im Hinblick auf die Implantatposition gemacht werden.

In der wissenschaftlichen Literatur konnte bislang kein Vorteil der minimal invasiven Operationsverfahren objektiv nachgewiesen werden, jedoch durchaus eine erhöhte Komplikationshäufigkeit, wenn sich der ganze Ehrgeiz des Operateurs auf einen kleinen Hautschnitt richtet und andere wesentliche Prinzipien der Endoprothetik des Hüftgelenkes darüber in den Hintergrund geraten.
Dennoch ist es richtig, dass insbesondere der Erhalt der Muskulatur und der Muskelansätze notwendig ist, um ein gutes funktionelles Ergebnis zu erhalten.

Wir verwenden einen sogenannten minimiert invasiven Zugang von ca. 10 cm Länge. Der Weg zum Hüftgelenk erfolgt über eine natürlich vorgegebene Muskellücke (für die Experten: zwischen dem Glutaeus medius und dem Tenso fasciae latae). Die Muskulatur wird dabei mit Hebeln zur Seite gehalten, ein Abtrennen von Muskelansätzen oder eine Durchtrennung von Muskeln werden vermieden.

Wie wird eine Hüftprothese implantiert?

Das Einsetzen eines künstlichen Gelenkes an der Hüfte ist die weltweit häufigste Operation überhaupt. Dennoch verlangt sie bei jedem einzelnen Patienten sorgfältige Planung und Ausführung sowie einen erfahrenen Operateur. Der Eingriff dauert 60 bis 90 Minuten.

Die Operation erfolgt in aller Regel in Rückenlage. Der Zugang zum Hüftgelenk erfolgt von der Außenseite her über einen minimiert invasiven Zugang.
Nach Entfernung des erkrankten Hüftkopfes wird zuerst die Pfanne ausgefräst und dann eine Metallschale in den Beckenknochen eingepasst. Dabei muss auf die korrekte Größe und Ausrichtung geachtet werden, um eine bestmögliche Beweglichkeit sicherzustellen und postoperative Ausrenkungen des Kunstgelenkes zu vermeiden. In die Metallschale wird ein Pfanneneinsatz aus Keramik oder Kunststoff eingesetzt.

Dann wird in den Oberschenkelknochen das Lager für den Metallkörper (den Prothesenschaft) geschaffen, in dem mit Spezialinstrumenten das Profil der Hüftprothese in den Knochen geschnitten wird. Anschließend wird der Prothesenschaft unter Beachtung der korrekten Tiefe und Ausrichtung in den Knochen eingepasst. Schließlich wird der neue keramische Hüftkopf auf den Prothesenschaft aufgesetzt und das neue Gelenk eingerenkt.

Nach der abschließenden Überprüfung auf Beinlänge, Beweglichkeit und Ausrenkungssicherheit wird eine Drainage in das Gelenk eingelegt und die Wunde schichtweise verschlossen.

Wie funktioniert die Nachbehandlung nach einer Hüftprothese?

Bereits am ersten Tag nach der Operation kann unter krankengymnastischer Anleitung aufgestanden werden und Sie machen die ersten Schritte mit dem neuen Gelenk. Nach Entfernen der Wunddrainagen am 2. oder 3. postoperativen Tag werden die Gehstrecken zunehmend größer und Sie können sich auf Stationsebene und auch auf der Treppe bereits weitgehend selbständig bewegen. Die Entlassung ist für den 10. Tag geplant, eine ambulante oder stationäre Rehabilitationsbehandlung danach vermittelt Ihnen unser Sozialdienst. (Anschlußheilbehandlung, AHB).

Vollbelastung ist in der Regel unmittelbar postoperativ gestattet. Die Krücken können Sie nach 6 bis 8 Wochen weglegen , und – natürlich abhängig von der körperlichen Belastung – können Sie nach etwa 8 – 12 Wochen wieder zur Arbeit gehen.

Das künstliche Kniegelenk

Am Kniegelenk wird häufig und auch erfolgreich versucht, bei weniger ausgeprägter Arthrose mittels einer Arthroskopie wenigstens für einen gewissen Zeitraum Linderung zu verschaffen.
Weitere Möglichkeiten umfassen die knorpelreparative Chirurgie und Umstellungsoperationen, die wir ebenfalls in geeigneten Fällen durchführen. Ab einem gewissen Zeitpunkt versagen diese Maßnahmen, und bei entsprechenden Beschwerden bleibt keine andere Wahl als der Einbau eines künstlichen Gelenkes oder zumindest Teilgelenkes. Letztlich erfolgt der Eingriff im Dienste der Wiederherstellung der Lebensqualität – um schmerzfreie Beweglichkeit und körperliche Aktivität zu ermöglichen. Daneben spielen bei der Entscheidungsfindung natürlich das Alter und das Röntgenbild eine Rolle, aber ausschlaggebend sind Sie als Patient, Ihre Beeinträchtigung im Alltag und Ihre Ansprüche an die Lebensqualität.

Für wen eignet sich eine Schlittenprothese?

Häufig ist bei der Arthrose des Kniegelenkes nur der innenseitige Anteil betroffen: Nur hier tut es weh. Häufig gibt es schon einen Arthroskopiebefund, der zeigt, dass die Außenseite noch intakt ist. Wenn auch das vordere Kreuzband erhalten ist, kann man sich bei der Operation auf den Ersatz des erkrankten innenseitigen (medialen ) Teilgelenkes beschränken. Die Vorteile des sogenannten (medialen) Schlittens bestehen im wesentlich kleineren Operationszugang, in der rascheren Rehabilitation sowie im Erhalt der gesunden Anteile des Kniegelenks und der natürlichen Gelenkmechanik. Die Gleitfläche besteht aus Metall (Chrom-Kobalt-Stahl) und einem speziellen beweglichen Kunststoffteil (aus Polyäthylen). Die Komponenten werden mittels Knochenzement verankert.

Wir verwenden die weltweit am besten untersuchte und bewährteste Schlittenprothese, den Oxford-Schlitten der Firma Biomet. Mit diesem Implantat gibt es Erfahrungen seit nunmehr über 20 Jahren. Die Ergebnisse sind – bei richtiger Indikation und Technik – durchwegs sehr gut. In Studien konnte gezeigt werden, dass nach 15 Jahren noch 95 % der Implantate funktionieren und nicht gewechselt werden mussten.

Wann brauche ich eine konventionelle Totalendoprothese?

In allen anderen Fällen ist die Implantation einer sogenannten Knie-Totalendoprothese notwendig.
Hier werden alle Knorpelüberzüge durch ein Metallimplantat (aus Stahl) ersetzt. Als Gleitfläche kommt ein Einsatz aus einem hochfesten Kunststoff mit sehr niedrigem Reibewiderstand (Polyäthylen) dazwischen. Die Komponenten werden mittels Knochenzement verankert. Für Patienten mit einer Metallallergie halten wir speziell beschichtete Prothesenkomponenten vor. Die Stabilität des Kniegelenks wird durch die Kniegelenksbänder sichergestellt, die bei der Operation deshalb sorgsam erhalten werden müssen.

In den Fällen, in denen eine erhebliche Vorschädigung der Bänder mit Instabilität des Gelenkes oder eine erhebliche Fehlstellung besteht, ist es mitunter notwendig, eine gekoppelte Totalendoprothese zu implantieren.
Hier wird die Stabilität durch eine gelenkige Verkoppelung zwischen Ober- und Unterschenkelteil der Prothese erreicht.

Die Ergebnisse der Knieprothetik sind in der Regel gut, auch wenn etwas Restbeschwerden möglich sind. Langfristig sind die Ergebnisse ebenfalls gut. 90 % aller Patienten sind auch nach 15 Jahren noch mit ihrer Knieprothese mobil und zufrieden.

Wie wird eine Knieprothese implantiert?

Die Implantation eines künstlichen Kniegelenkes ist ein täglicher Routineeingriff, der aber dennoch sorgfältig geplant und von einem erfahrenen Operateur durchgeführt werden muss. Die Operation selbst dauert etwa 60 bis 90 Minuten.

Über einen vorderen Zugang zum Kneigelenk wird das Gelenk eröffnet. Nach Überprüfung des Befundes werden das Kniegelenk und die Beinachsen elektronisch vermessen, um für die folgenden Schritte ein Höchstmaß an Genauigkeit sicherzustellen (navigierte OP-Technik). Die Ausrichtung der Instrumente für die Knochenschnitte erfolgt unter Computernavigation, die den Operateur in der intraoperativen Umsetzung der OP-Planung unterstützt (es ist aber wie beim Autofahren: Der Fahrer bestimmt, wohin die Fahrt geht, nicht die Navigation – letztere ist nur eine Hilfe).
Zunächst wird die zerstörte Knorpelschicht mit einer kleinen Knochenscheibe am Schienbein abgetragen, anschließend die Oberschenkelrolle zurechtgesägt. Auch hier wird nur sehr wenig Knochen entfernt.

Die Prothesenkomponenten werden dann mit Zement auf den Knochen aufzementiert und die Gleitfläche aus Spezialkunststoff eingebracht. Nach abschließender Überprüfung der Beweglichkeit und der Bandstabilität wird das Gelenk über Drainagen verschlossen.

Wie läuft die Nachbehandlung nach einer Knieprothese?

Durch entsprechende Schmerzmedikamente stellen wir sicher, dass Sie nach der Operation keine wesentlichen Wundschmerzen verspüren. In der Regel liegt in der Leiste ein Schmerzkatheter, über den ein örtlich wirksames Schmerzmittel zugeführt werden kann. Bereits am ersten Tag nach der Operation kann unter krankengymnastischer Anleitung aufgestanden werden und Sie machen die ersten Schritte mit dem neuen Gelenk. Eine Ruhigstellung etwa im Gipsverband ist nicht notwendig, ganz im Gegenteil: Eine motorisierte Bewegungsschiene unterstützt Sie dabei, die Beweglichkeit des Gelenkes rasch wieder zu erlangen.

Nach Entfernen der Wunddrainagen am zweiten oder dritten Tag werden die Gehstrecken zunehmend größer und Sie können sich auf Stationsebene und auch auf der Treppe bereits weitgehend selbständig bewegen. Die Entlassung ist für den 10. Tag geplant, eine ambulante oder stationäre Rehabilitationsbehandlung danach vermittelt Ihnen unser Sozialdienst (Anschlussheilbehandlung, AHB). Vollbelastung ist mit einer Knietotalendoprothese unmittelbar postoperativ gestattet. Die Krücken können Sie nach 6 bis 8 Wochen weglegen, und – natürlich abhängig von der körperlichen Belastung – nach etwa 8 – 12 Wochen können Sie wieder zur Arbeit gehen.

Bei einem Knieschlitten geht das Ganze ein wenig flotter, manche Patienten verlassen nach gut einer Woche das Krankenhaus sogar schon ohne Gehstützen.