Das Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim ist jetzt von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie als „AltersTraumaZentrum Tauberfranken“ zertifiziert worden. Damit wird die hohe Qualität der Behandlung von älteren Menschen nach einem Sturz oder Unfall bestätigt.

In Deutschland erleiden jedes Jahr mehr als 700.000 betagte Menschen einen Knochenbruch am Oberschenkel, den Armen oder einen Bruch eines Wirbels. Vor allem ältere Frauen sind betroffen: Bei den über 85-jährigen Frauen sind Hüftfrakturen inzwischen der häufigste Grund für eine Klinikeinweisung – mit oft einschneidenden Folgen. „Dank der steigenden Lebenserwartung sehen wir immer mehr ältere und hochbetagte Patienten. Und gerade für diese Patienten ist es wichtig, dass sie möglichst rasch und umfassend betreut werden“, erläutert Prof. Dr. Christoph Eingartner. Eine Einschränkung der Mobilität und eine längere Bettlägerigkeit bedeute für diese Menschen oft den Verlust der Selbständigkeit und den Beginn der Pflegebedürftigkeit. „Genau dies versuchen wir durch unsere fach- und berufsübergreifende Behandlung im Alterstraumazentrum zu verhindern.“

„Zu unserem Team gehören neben den Unfallchirurgen und Geriatern speziell ausgebildete Gesundheits- und Krankenpfleger, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Ernährungsberaterinnen und der Sozialdienst. Wir alle arbeiten nach klaren Strukturen eng zusammen, um den Patienten während des Krankenhausaufenthalts möglichst frühzeitig wieder zu mobilisieren. Ziel ist, dass der Patient anschließend wieder in sein Lebensumfeld vor dem Sturzereignis zurückkehren kann.“

Schon in der Notaufnahme werden bei den älteren Unfallverletzten geriatrische Tests durchgeführt und die Medikamente überprüft, wenn Patienten fünf oder mehr Medikamente einnehmen. Zeitnah erfolgt die operative Versorgung des Knochenbruchs. „Der Sturz und der Knochenbruch sind aber oft nur das Ereignis, das zu der aktuellen Verletzung geführt hat. Oft kommen die Patienten mit mehreren Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Schwindel, Muskelabbau, Herzschwäche oder Osteoporose – oft die eigentliche Ursache des Sturzes“, erläutert Prof. Dr. Eingartner. „Diabetes kann außerdem die Wundheilung verzögern, der stationäre Aufenthalt manchmal eine bestehende  Demenz verstärken oder eine Operation kann ein Delir auslösen. All das müssen wir berücksichtigen und auch mit behandeln.“ Hier sei die gemeinsame Betreuung durch das Behandlungsteam entscheidend. Diese findet in der Regel auf Station E1 unter pflegerischer Leitung von Edeltraud Steinweg statt. Mehrere Krankenschwestern verfügen hier über eine Weiterbildung zur Fachkraft für aktivierend-therapeutische Pflege.

Für jeden Patienten gibt es einen Therapieplan, zweimal die Woche eine interdisziplinäre Visite und einmal pro Woche eine gemeinsame Teambesprechung, in der die Fortschritte jedes Patienten und weitere Therapiemaßnahmen gemeinsam festgelegt werden. Dass diese Strukturen funktionieren und die Qualitätsstandards erfüllt werden – davon hatten sich die Fachprüfer der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie in einem zweitägigen intensiven Audit am 6. Juli 2017 überzeugt. „Sie sind im Caritas-Krankenhaus für die Behandlung älterer Trauma-Patienten gut aufgestellt und haben viele Stärken, die den Patienten zugutekommen“, so das Fazit der Auditoren. Im Auditbericht besonders hervorgehoben wurde die intensive Ernährungsberatung und die Organisation auf Station mit einem ärztlichen Stationsmanager als kontinuierlichem Ansprechpartner sowie die eigens von der Pflege entwickelte Kurve für Alterstraumpatienten.

Prof. Dr. Eingartner dankte dem gesamten Team für  den Einsatz: „Ich möchte mich bei Ihnen allen aufs herzlichste bedanken, dass Sie mit uns den Weg der Zertifizierung gegangen sind. Vor allem aber möchte ich mich dafür bedanken, wie Sie alle jeden Tag im bestverstandenen Interesse unserer Patienten die Zusammenarbeit leben, über die Berufsgrenzen hinweg und über die Fachdisziplinen hinweg.“ Sein Dank ging auch an das QM mit seinem systemischen Blick auf die Abläufe. „Das macht immer wieder Spaß und wir können alle nur voneinander lernen.”

Gute Medizin im Jahr 2017 ist eben nie die Leistung eines Einzelnen, sondern sie entsteht immer im geordneten Zusammenwirken vieler.“