Das ist die Quintessenz der nunmehr erfolgten ersten Auswertungen des Endoprothesen-Registers Deutschland (EPRD).

Das Endoprothesen-Register Deutschland ist eine freiwillige Maßnahme der Qualitätssicherung. Hier werden – nach Einwilligung durch den jeweiligen  Patienten – pseudonymisiert alle Daten zur Implantation eines künstlichen Gelenkes erfasst, und zwar so, dass auch eine eventuelle Nachoperation an einer anderen Klinik zugeordnet werden kann, egal, ob diese Klinik am Register teilnimmt oder nicht. Dies macht die Verknüpfung mit den Daten der Krankenkassen möglich, vorerst funktioniert das nur mit den Patienten der AOK. Damit ist das Endoprothesen-Register Deutschland das einzige Register der Welt, das für diese Patienten eine 100%-Erfassung sicherstellen kann. Dadurch und durch die hohe Zahl an Implantationen in Deutschland entsteht hier ein Datenschatz, dessen Wert gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Nach einer Laufzeit von nunmehr 4 Jahren wurden jetzt die ersten Ergebnis-Daten zur Prothesen-Standzeit veröffentlicht. Das ist noch keine lange Zeit, Langzeitergebnisse stehen noch aus. Dennoch sind gerade auch die kurzfristigen Daten besonders wertvoll, weil gerade Implantationsfehler und Komplikationen (z.B. Frühinfekte, Knochenbrüche rund um die Prothese) in den ersten beiden Jahren zum Austausch der Prothese führen.

Die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Caritas beteiligt sich schon seit der Pilotphase im Jahre 2013 als eine der ersten Kliniken in Deutschland am Endoprothesenregister und hat bisher etwa 2.400 Patienten in das Register eingebracht. Etwa die Hälfte davon (1.213 Implantationen) ist AOK-versichert und geht in die jetzt vorliegende Auswertung ein. Die Wahrscheinlichkeit eines Wechsels innerhalb der ersten vier Jahre beträgt für alle in Deutschland implantierten künstlichen Gelenke demnach 3,2%, für die Patienten, die in Bad Mergentheim operiert wurden, beträgt die tatsächliche Wechselrate genau die Hälfte, nämlich 1,6%. Dieser Unterschied ist sogar statistisch signifikant, was bedeutet, dass es unwahrscheinlich ist, dass dieser Unterschied zufällig ist.

Grafisch sieht das so aus:

 

 

Jeder Punkt ist eine Klinik, der rote Punkt ist Bad Mergentheim. Nach rechts aufgetragen ist die Zahl der erwarteten Wechsel – wer mehr operiert, hat absolut gesehen auch mehr Wechsel. Nach oben aufgetragen ist die Rate der tatsächlichen gegenüber den erwarteten Wechseln, das heißt, wer genau so viel Wechsel hat wie erwartet, liegt auf der gelben Linie (der Quotient ist 1). Wer drüber liegt, ist schlechter, wer drunter liegt, ist besser. Die beiden gepunkteten Linien geben den Signifikanzbereich vor, innerhalb der Linie kann der Unterschied auch Zufall sein, außerhalb der Linie ist es unwahrscheinlich, dass der Unterschied zufällig entstanden ist.

Neben der erfreulichen Tatsache, dass die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Caritas signifikant unter der mittleren Revisionswahrscheinlichkeit liegt, sieht man an der Darstellung auch, dass die meisten Kliniken, die viel und sehr viel operieren, besser sind, dass auch einige Kliniken, die wenig operieren, sehr gut sind, aber auch, dass zahlreiche Kliniken, die wenig operieren, schlechtere Ergebnisse haben als erwartet. Das wird der politischen Debatte um Mindestmengen sicherlich noch einmal neue Nahrung geben.

Die Hersteller haben ebenfalls die Daten ihrer Implantate erhalten, eine vergleichende Darstellung verschiedener Implantate verschiedener Hersteller gibt es noch nicht. Hier werden vor allem die Langzeitergebnisse spannend, denn implantatspezifische Lockerungen und Probleme treten eher im Langzeitverlauf auf, während Komplikationen und operative Fehler vor allem in Frühlockerungen und –wechseln resultieren.