Nach den schwierigen Wochen der ersten (und hoffentlich letzten) Corona-Welle in unserem Land und in unserem Krankenhaus  versuchen wir, wieder zur Normalität zurückzukehren.

Wir sind (bisher) gut durchgekommen

Während des Höhepunktes der Pandemie hatten wir in unserem Haus bis zu 12 beatmete COVID-19-Patienten auf Intensivstation. Die personellen Ressourcen waren auf das Äußerste gefordert, aber wir konnten die Versorgung durchgehend gewährleisten und das Konzept der am einzelnen Patienten orientierten Hochleistungsmedizin aufrechterhalten.

Nicht auszudenken, wenn wir die eilends aufgestellten 31 Beatmungsgeräte tatsächlich gebraucht hätten. Wahrscheinlich wäre rasch deutlich geworden, dass ein Gerät allein völlig nutzlos ist ohne Menschen, die Patienten pflegen und behandeln können.

Schon so mussten wir unser gesamtes Haus – abgesehen von der Versorgung von Notfällen wie beispielsweise von Knochenbrüchen – auf die Behandlung von COVID-19-Kranken ausrichten. Alle sonstigen Behandlungen mussten abgesagt und aufgeschoben werden. Das betraf insbesondere natürlich die elektive Chirurgie, und hier insbesondere die Endoprothetik, den künstlichen Gelenkersatz.

Viele mussten warten

Bei unseren Patienten, bei denen wir anrufen mussten und geplante Operationen absagen mussten, sind wir auf viel Verständnis gestoßen. Wir wissen, dass sie dadurch länger als sonst auf notwendige Eingriffe gewartet haben und länger zum Teil heftige Schmerzen ertragen mussten. Wir wissen, dass – anders als zum Teil öffentlich kommuniziert – sogenannte elektive Eingriffe keineswegs überflüssige oder verzichtbare Eingriffe sind, sondern von Patienten mit Schmerzen oder anderen relevanten Einschränkungen zur Verbesserung der Lebensqualität dringlich gewünscht und erforderlich sind.

Insofern wollen wir uns bei all unseren Patienten bedanken, dass sie angesichts der Pandemie-Situation ihre eigenen Probleme zurückgestellt haben und so den Krankenhäusern ermöglichten, die Corona-Krise zu bewältigen.

Zurück in der Normalität?

Nun versuchen wir, langsam wieder in den Normalbetrieb zurückzukehren. Noch haben wir eingeschränkte OP-Kapazitäten. Noch sind wir durch die Landesverordnung verpflichtet, Intensivkapazitäten freizuhalten. Noch müssen wir einen erheblichen zusätzlichen Aufwand betreiben (wie beispielsweise SARS-CoV-2-Abstriche vor jeder stationären Aufnahme). Aber wir haben begonnen, unsere lange Warteliste abzuarbeiten und operieren fleißig. Wir freuen uns daran jeden Tag zu erleben, wie wir Patienten durch unsere Arbeit zu einer erheblich verbesserten Lebensqualität verhelfen können.  

Wir wissen, dass es bei unserer Arbeit auf die Menschen ankommt – vor, während und nach “Corona”

Prof. Dr. med. Christoph Eingartner

Politische Langzeitfolgen??

Man darf gespannt sein, wie die gesundheitspolitische Diskussion „nach Corona“ verlaufen wird. Der Applaus für das medizinische Personal war wohlfeil. Nun wird es darum gehen, strukturelle Veränderungen in Angriff zu nehmen. Bei der kurzen Halbwertszeit des medialen Erinnerungsvermögens und angesichts der vielen anderen gleichfalls wichtigen Themen (US-Wahlen,  Klima, Weltwirtschaftskrise, Rassismus und Faschismus, um nur einige zu nennen) steht zu befürchten, dass der aktuell empfundene Veränderungsdruck schon bald exponentiell abnehmen und wieder zur rein ökonomischen Steuerung des Gesundheitswesens übergegangen werden  wird.

Worauf es ankommt …

Wir wissen, dass es in der Medizin auf die Menschen ankommt: Den einzelnen Menschen, der Hilfe sucht und braucht – und die Menschen, die das medizinisch Richtige in rechtem Maße, zur rechten Zeit, in bestmöglicher Qualität und mit größtmöglicher Empathie zu tun.

Dafür stehen wir:  Vor, während und nach „Corona“.