Hygiene – Häufige Fragen und die Antworten darauf

Warum hört man heute so viel über Krankenhauskeime?

Wo kommen denn die vielen resistenten Keime plötzlich her?

Wie ist die Situation mit Krankenhauskeimen im Caritas?

Wie ist denn die Hygiene im Caritas organisiert?

Aber ich sehe doch so viele Isolierzimmer?

Wie ist das denn bei künstlichen Gelenken?

Aber ich höre, dass im Caritas Patienten mit infizierten Kunstgelenken liegen?

Können Keime durch eine Operationswunde in den Körper gelangen?

Kann ich selbst etwas zum Schutz vor Infektionen beitragen?

Muss ich vor Krankenhauskeimen Angst haben?

Warum hört man heute so viel über Krankenhauskeime?

Das hat verschiedene Gründe. Zum einen hat tatsächlich das Problem mit Infekten im Krankenhaus zugenommen. Das hängt auch damit zusammen, dass wir heute viele schwerkranke und hochbetagte Patienten therapieren und selbst bei diesen Patienten eingreifende Behandlungen und große Operationen durchführen können, was vor wenigen Jahren noch gar nicht denkbar erschien. Diese Patienten sind aber natürlich anfälliger für Komplikationen einschließlich Infekte, auch mit mehrfachresistenten Keimen.

Ein anderer Grund ist aber auch das vermehrte öffentliche Interesse für das Problem Infekte im Krankenhaus. Auch wenn wir Krankenhausärzte nicht immer glücklich über die oftmals polemische Berichterstattung in den Medien sind, so ist es insgesamt doch gut, dass dem Thema verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Wo kommen denn die vielen resistenten Keime plötzlich her?

Resistente Keime hat es schon immer gegeben, aber es werden mehr. Eine wichtige Ursache ist sicher der unbedachte Einsatz von Antibiotika. Wussten Sie, dass weit über die Hälfte des Antibiotikaverbrauches in Deutschland in der Tierhaltung geschieht? Hier sehen viele Forscher eine wesentliche Ursache für die rasche Resistenzentwicklung. Aber auch in der Medizin werden zum Teil Antibiotika ohne strenge Prüfung der Notwendigkeit eingesetzt, zum Beispiel beim banalen Infekt der oberen Luftwege. Wir Krankenhausärzte setzen Antibiotika mit großer Vorsicht und Bedacht ein – schließlich kennen wir das Problem kranker Patienten, bei denen sich kaum mehr ein wirksames Antibiotikum finden lässt, nur allzu gut.

Wie ist die Situation mit Krankenhauskeimen im Caritas?

Das Caritas-Krankenhaus beteiligt sich unter Leitung von Prof. Eingartner freiwillig an einer nationalen Erhebung im Hinblick auf Krankenhausinfektionen, dem sogenannten KISS (Krankenhaus Infektions Surveillance System).  Nach dem neuen Infektionsschutzgesetz wird diese Erhebung, an der wir uns schon seit 3 Jahren beteiligen, in Zukunft sogar vorgeschrieben sein. Hierzu geben wir unsere Daten in ein nationales Register ein und können Vergleiche mit der Situation in Deutschland und in anderen Krankenhäusern ziehen. Dabei zeigt sich, dass die Rate an im Krankenhaus erworbenen Infektionen mit multiresistenten Keimen (MRSA) im Vergleich sehr niedrig ist.

Wie ist denn die Hygiene im Caritas organisiert?

Professor Eingartner ist als Ärztliche Direktor für die Hygiene im Krankenhaus verantwortlich, als sogenannter „Hygieneverantwortlicher Arzt“ nach dem Infektionsschutzgesetz. Für die praktische Umsetzung stehen zwei speziell ausgebildete Pflegekräfte als Hygienefachkräfte zur Verfügung, die nichts anderes tun, als sich um die praktischen Belange der Hygiene zu kümmern – dazu gehören auch regelmäßige Schulungen des Personals. Für die Umsetzung und die speziellen Belange der einzelnen Fachabteilung steht in jeder Klinik ein hygienebeauftragter Arzt zur Verfügung, der ebenfalls eine spezielle zusätzliche Ausbildung hat. Damit gehen wir sogar über die gesetzlichen Vorschriften des Infektionsschutzgesetzes hinaus, der einen solchen hygienebeauftragten Arzt nur für besondere Risikoabteilungen vorschreibt. Eine Fachärztin für Hygiene kommt regelmäßig ins Haus, führt Begehungen durch und berät uns in allen hygienischen Fragen. Zweimal im Jahr tagt die Hygienekommission, in denen neben den oben genannten Personen auch Hauswirtschaft, Technik, Verwaltung und Labormedizin vertreten sind. Für all diese Maßnahmen geben wir viel Geld aus, aber jeder Euro davon ist gut angelegt.

Aber ich sehe doch so viele Isolierzimmer?

Genau! Da alle Patienten, bei denen ein erhöhtes Risiko besteht, dass sie mit einem multiresistenten Keim besiedelt sind, vorsichtshalber darauf untersucht und zum Schutze anderer Patienten isoliert werden, werden Sie auf all unseren Stationen Isolierzimmer finden. Hier werden besondere Hygienemaßnahmen wie z.B. Schutzkleidung, Mundschutz, Handschuhe bei allen Verrichtungen am Patienten getroffen.

Wie ist das denn bei künstlichen Gelenken?

Auch hier sind wir gesetzlich verpflichtet, Infekte nach dem Einbau eines künstlichen Gelenkes in der sogenannten externen Qualitätssicherung zu melden. Dadurch ist die Situation in Deutschland sehr transparent. Im Bundesdurchschnitt liegt die Zahl der Infekte mit ca. 0,5 – 1% deutlich unter den international publizierten Zahlen mit 3 -5%. Im Caritas-Krankenhaus liegen wir sogar noch unter den bundesweiten Infektraten.

Aber ich höre, dass im Caritas Patienten mit infizierten Kunstgelenken liegen?

Ja, das ist so. Erstens ist die Infektrate zwar extrem niedrig, aber eben nicht Null. Außerdem haben wir uns in den letzten Jahren einen guten Ruf in der Behandlung infizierter künstlicher Gelenke erarbeitet, so dass wir viele Patienten mit solchen Problemen zum Teil von weit her zugewiesen bekommen. Die Behandlung ist immer ein langer Weg mit vielen Eingriffen, bis schließlich wieder ein funktionierendes infektfreies Gelenk eingebaut ist.

Können Keime durch eine Operationswunde in den Körper gelangen?

Nein – eine Operationswunde ist spätestens 48 Stunden nach dem Eingriff „dicht“ und benötigt eigentlich auch keinen Verband mehr. Wir legen trotzdem einen dünnen Schutzverband an, weil sich Patienten damit erfahrungsgemäß wohler fühlen.

Kann ich selbst etwas zum Schutz vor Infektionen beitragen?

Ja. Ein wichtiger Punkt sind die persönlichen Hygienemaßnahmen. Auch sollten Infekte im Körper, beispielsweise an einem Zahn, an den Füßen oder Händen,  besonders bei Patienten, die ein künstliches Gelenk haben, immer sofort angegangen und saniert werden. Die allgemeine Abwehrlage spielt natürlich ebenfalls eine wichtige Rolle, und hier gelten die altbekannten Regeln der gesunden Lebensführung. Im Krankenhaus kann es nicht schaden, einen Blick darauf zu haben, ob die wichtigste Hygienemaßnahme zuverlässig gemacht wird: Die hygienische Händedesinfektion von allen Mitarbeitern, die medizinische Maßnahmen an Ihnen verrichten. Niemand ist Ihnen böse, wenn Sie danach fragen.

Muss ich vor Krankenhauskeimen Angst haben?

Nein, letztlich nicht. Wir tun alles, um eine Infektion zu verhindern.